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DAS WEIBLICHE PRINZIP – Der Mut unseres Herzens

 

Als Mann mit großer Nähe zu meiner weiblichen Seite hat es mich während  meiner Entwicklung zum Erwachsenen in dieser Kultur oft beschäftigt, was  wohl das ‚richtige‘ Erleben sein könnte, was das Richtige sein könnte, in meiner Art zu sein und in meinem Investiert-Sein in die Welt. Ich habe lange darunter gelitten und mich dafür angegriffen, dass ich so viel gefühlt habe. Es schien mir im Vergleich mit anderen oft nicht normal oder angebracht. Mein Eindruck war, dass es keinen Wert darstellt, was man so fühlt. „Wieviel Nähe, Menschlichkeit, Mitgefühl, Verbundenheit sind gesund, richtig oder passend?“  – waren Fragen, mit denen ich mich lange befasst habe, bevor ich den Mut entwickelte, meine Hellfühligkeit und Empathie voll zu würdigen und eigene Maßstäbe zu entwickeln.

 

Das Weibliche Prinzip hat für uns alle viel zu bieten. Es realisiert sich in den seltensten Fällen der Persönlichkeitsentwicklung einer Frau oder eines Mannes selbstverständlich, sondern bildet sich durch die Ausrichtung auf Partnerschaftlichkeit, Lebendigkeit, Saftigkeit, Vertrauen, Mitgefühl, Erfolg, Fülle und Verbundenheit. Dies sind auch einige seiner Auswirkungen. Es basiert auf dem existenziellen Selbstverständnis für innere Nähe und Intimität mit jemand anderem, weil er ein Mensch ist. Damit gibt es die Möglichkeit, sich jenseits von Meinungen, kulturellen Zugehörigkeiten, Religionen und anderen äußeren Aspekten zu verbinden.

 

Wir leben immer noch in einer strukturbasierten, auf das Erzeugen und Bewahren von äußerer Sicherheit ausgerichteten, patriarchalen und materialistischen  Bewusstseins-Schwingung. Rationalismus, Dissoziation, Vernunft vom Verstand her, Egoismus, Nüchternheit und Mangel an Geben sind einige ihrer Auswirkungen. 

Der Mangel an Gleichberechtigung, gleicher Behandlung, gleichem Respekt für alle Geschlechter und Lebensformen und der Mangel an gleicher Bezahlung sind offensichtliche, äußere Entwicklungs-Indikatoren für diesen Aspekt. Über die energetischen Schmerzgrenzen, die viel niedriger liegen, sprechen die wenigsten.

 

Auf vielen Ebenen besteht der Bedarf nach weiserem Vorgehen. Viele unserer  gesellschaftlichen Entwicklungswege sind oft mit guter Absicht auf rationaler Basis erdacht und oftmals durchdacht worden. Trotzdem scheint vieles keinen Sinn mehr zu machen oder zu funktionieren. Verdrängtes macht sich in Form von Wut und Tendenzen der Rebellion breit, die im Angriff auf die bestehenden Strukturen die Lösung sehen für den Umgang mit altem Schmerz und den Gefühlen, nicht gewollt, nicht verstanden, nicht gehört und nicht gehalten zu sein. Anstatt in kokreative Zugänge zu investieren, um dem Bedürfnis nach Veränderung zu entsprechen, können rebellische Tendenzen nicht mehr als in Reaktion auf das Erleben von Ungerechtigkeit gehen.

 

Die Unabhängigkeit und die Abgrenzung, die zu den Gefühlen von Ausgegrenztheit geführt haben mögen,werden dadurch weiter unterstützt, was sich in der Bereitschaft zeigt, übertriebene materialistische, rassistische, mysogene, homophobe und fremdenfeindliche Lösungen in Betracht zu ziehen. Bei jedem, der durchdreht, ist immer auch ein starkes Bedürfnis da, gesehen, gehalten, unterstützt und geliebt zu werden. Das ist durch Rationalismus sehr schlecht oder oft gar nicht zu erreichen. Das Phänomen, das oft dazu führt, durch übermäßiges Denken und Rationalisieren mehr Distanz zu erzeugen, eine innere Struktur-Identifikation vorherrschen zu lassen und weniger in Lebendigkeit zu investieren, nenne ich „Rationalsozialismus“.

 

Stattdessen wirkt das Weibliche Prinzip durch Hingabe, die so viel Akzeptanz enthält, dass der gebende und vergebende Kontakt aufrechterhalten bleibt und Reaktionsbildung und Abwendung vermieden werden. Die Kraft des Weiblichen Prinzips ist, dass es eine sehr klare Referenz hat und diese Referenz ist Liebe. Liebe bringt immer Nähe, sie bringt Verständnis, und sie bringt einen gemeinsamen Boden des Vertrauens, aus dem auf Basis von Partnerschaftlichkeit etwas Neues erwachsen kann. Deshalb ist das Weibliche Prinzip zu pflegen und ihm zu folgen ein erfolgsbringender Prozess und eine erfolgsbringende Investition, die immer wieder aus vorgefertigten Meinungen, Sackgassen, Leblosigkeit, Frust und Stellen, an denen wir mit unserem Latein am Ende sind, herausführt.

 

Ein weiterer Weisheitsaspekt des Weiblichen Prinzips liegt darin, dass es unsere Meinung entschärft und unser positives Engagiert-Sein in den Vordergrund stellt. So können Sein und Tun mit starker innerer Anbindung wirken. Sie enthalten dann Fürsorge, Integrität und Führungskunst, was auf natürliche Weise Autorität entstehen lässt. So wie in der reinen Form von Mutterliebe zum Beispiel, die nicht an Bedingungen geknüpft ist und dadurch eine absolute Form der Liebe ist. Dies setzt Grundsteine für Begegnung, auf denen sich Beziehungen nach neuen Maßstäben gestalten können, private Beziehungen, Beziehungen in der Partnerschaft, geschäftliche Beziehungen. All unsere Beziehungen brauchen, dass wir ein starkes Erleben von mehr Vertrauen aufbauen und mehr Liebe geteilt wird, um vertrauensvoller in die Gestaltung unserer Zukunft investieren zu können

 

Lasst uns über das Verteidigt-Sein, den Kontrollbedarf, die Sicherheitsmaßnahmen und Regulierungen, die das Angst-Paradigma unterstützen, hinwegkommen und den Mut in unseren Herzen öffnen und die Verbundenheit, Weisheit, Freude und Liebe einladen, die mit der Ausrichtung auf das Weibliche Prinzip einhergehen.

 

Alles Liebe, Euer Torsten Konrad

 

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